Einsamkeit


Heute ist etwas komisches passiert. Jemand hat mich angeschrieben und mich gefragt wie es mir geht. Aber nicht einfach nur so. Diese Person wollte das wirklich wissen. In ihrer Nachricht erklärte sie, dass das, was ich schrieb so traurig wirke und dass sie das Gefühl kenne, wenn man einfach mal möchte, dass jemand nachfragt. Naja was soll ich sagen?

Ich musste heulen so gerührt war ich. Denn das was sie schrieb – und meinte Antwort darauf – ließ mich mal darüber nachdenken. Und ich habe bemerkt, dass riesige offene blutende Wunden in mir schlummern. Denn der Text, den sie gelesen hat, ist schon einige Jahre alt. Damals hab ich noch vieles anders gemacht und ich habe mich selbst dafür gehasst, dass ich nie mit wem über meine Probleme reden konnte und alles in mich rein gefressen habe, dabei aber insgeheim verlangt habe, dass das doch mal jemand durchschauen muss und sich um mich kümmert. Heute ist das anders. Deutlich anders. Ich bin älter geworden – und somit auch reifer. Ich habe gelernt mit anderen über meine Gefühle zu reden und um Hilfe zu bitten, wenn ich welche brauche. Das Tragische an der Sache ist: Heute hilft mir trotzdem keiner. Heute weiß ich zwar, dass es nicht mehr meine Schuld ist, aber trotzdem: Alle meine Freunde lassen mich im Stich, wenn ich sage, dass es mir nicht gut geht. Keiner kommt um mir zu helfen. Keiner fragt noch mal nach, bohrt noch mal nach, könnte ja sein, dass da doch noch was ist. Es ist ihnen egal. Und das tut so weh. Diesen Schmerz kann man gar nicht beschreiben. Schon wenn ich nur drüber schreibe, zieht sich mein Herz zusammen, ich muss mit dem Atmen aufhören und mir schießen tonnenweise Tränen in die Augen. So weh tut das. Vor ungefähr einem Monat nämlich, da hätte ich mir fast das Leben genommen. Nur ein bisschen mehr Pech (oder Glück, je nachdem wie man das sieht..) und ich wäre jetzt nicht mehr da; ich wäre einfach weg. Und obwohl ich sogar das schweren Herzens einigen Vertrauenspersonen gebeichtet habe, stand ich alleine da. Keiner ist zu mir gekommen und hat sich gekümmert. So allein und so einsam habe ich mich niemals vorher in meinem Leben gefühlt. Und in solchen Momenten, da kann man nicht anders als sich fragen: „Kann das nicht meine Schuld sein?“ Natürlich denkt man sowas. Ich muss echt ein grausamer Mensch sein, glaube ich. Eine schlechte Freundin, blöde Gesellschaft. Deshalb habe ich angefangen mich hin und wieder mal zurück zu ziehen, einfach aus Rücksicht anderen gegenüber, damit sie mich endlich mal ein wenig los sind...

Die Zweifel an mir werden bleiben. Denn egal wie viel ich nachdenke, ich wüsste nicht, was so furchtbar an mir ist, so schlimm. Ich weiß nicht, warum mich alle ausschließen, wenn sie was unternehmen. Ich weiß nicht, warum es zu anstrengend ist mich zu fragen, ob ich vielleicht mit machen will. Und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Also lass ich's – ich spiele mit, ich ignoriere es. Und jedes Mal, wenn ich höre wie viel Spaß sie ohne mich hatten, stirbt ein kleines Stückchen mehr von mir.