der Gefühlstornado

 

Mir ist nach schreien zu mute, nach weinen, nach toben, nach ausrasten, nach um mich schlagen, nach völlig in die Luft gehen, nach absolut durchdrehen. Und dabei sitze ich hier, sitze einfach nur, starre in die Luft, atme kaum, bewege mich nicht. Zerplatze innerlich fast vor lauter Müll, der sich stapelt, der wie in einem Tornado umher geschleudert wird und fast von seinem vorgesehenen Platz ausbricht, einfach weggefetzt wird; wobei die Frage ist: Hat sowas überhaupt einen vorgesehenen Platz? Hat es überhaupt Platz? Gehört sowas überhaupt irgendwo hin?
Naja, jedenfalls droht es aus mir raus zu brechen, einfach abzuhauen von dort, wo ich es gerne vergraben und vergessen würde. Leider lässt sich sowas nicht vergessen. Gefühlstornados gehen nicht weg. Eher im Gegenteil, sie werden größer, mächtiger, unberechenbarer, unkontrollierbarer. Ekeliger. Widerlicher. Ich will sowas nicht haben, ich will's einfach nicht. Aber keiner kann's mir abnehmen, keiner kann's weg machen. Höchstens vielleicht ich selbst, aber ob ich das auch tatsächlich kann, das weiß ich nicht. Keine Ahnung.
Gerne würde ich mich bei irgendwem auskotzen, gerne würde ich mich wem anvertrauen, in den Arm genommen werden, weinen, alles rauslassen, mich komplett fallen lassen, einfach mal loslassen. Aber irgendwie geht das nicht. Es ist wie eine Mauer, die mich daran hindert. Es geht einfach nicht, ich bin einfach nicht in der Lage etwas zu tun. Bräuchte wen, der mich dazu drängt mich zu öffnen, bräuchte wen, der mich etwas in die richtige Richtung schubst; habe aber nur mich selbst. Und ich schubse nicht, erst recht nicht mich selbst, ich bleibe lieber stehen, habe Angst davor mich anderen zu öffnen. Ich könnte nerven, ich könnte stören, ich könnte ignoriert werden oder am schlimmsten: Ich könnte enttäuscht werden. Und dann vielleicht sogar daran zerbrechen.
Also öffne ich mich nicht, ich bleibe dieses regunslose Häufchen Mensch mit Gefühlstornado.