Ich mag Kekse.

 

Ich mag Kekse. Ich mag die Sonne. Ich mag die Nacht, ich mag es, wenn es dunkel ist. Das sind alles Dinge, die ich mag. Heute in der Schule sollten wir solche Dinge aufschreiben. Drei Dinge, die wir gern haben und drei Dinge, die wir nicht so gern haben. Tja.

Mein erster Gedanke war: Ich mag dieses krasse Gefühl, wenn er dich umarmt, dir tief in die Augen schaut und dich einfach nur so unendlich doll liebt. Wenn er da ist und du auch da bist und du dein Leben lieben kannst, einfach, weil ihr zusammen da seid und euch liebt. DAS mag ich. Aber das kann ich ja wohl schlecht schreiben. Also habe ich geschrieben:

Ich mag Kekse.

Ich mag die Sonne.

Ich mag die Nacht, ich mag es, wenn es dunkel ist.

Dann kam ich zu den Dingen, die ich nicht mag. Aber was sollte ich denn da schon schreiben? Ich mag dieses kranke Gefühl nicht, wenn er dein Herz bricht, einfach so tut, als wäre das okay, während du nur noch sterben willst, nichts mehr fühlen, nur noch tot sein, endlich nicht mehr da sein, den Schmerz nicht weiter ertragen kannst.

Aber nein. Auch das konnte man unmöglich schreiben. Also schrieb ich:

Ich mag keinen kalten Regen und auch Kopfweh mag ich nicht.

Ich mag es nicht, angelogen zu werden.

Alles wahr. Alles richtig. Nichts davon ist gelogen oder falsch. Aber es ist unwichtig. Denn es ist nicht das, was mich ausmacht. Aber wer bin ich schon? Ich weiß es nicht mehr. Ich kann es nicht mehr sagen. Bin ich denn überhaupt noch irgendwas? Seit er nicht mehr da ist, nicht mehr ER ist, habe ich keine Ahnung mehr, wer oder was oder wie ich bin. Ich vermisse ihn so sehr. Aber er ist nicht mehr ER. Er ist jemand anderes, weit weg, er hat sich verändert oder ich habe mich geändert, ich habe die Augen auf gemacht und bemerkt, dass er gar nicht so ist, wie ich immer dachte.

Ich vermisse jemanden, den es nicht gibt. Was soll ich nur tun?

Diese Worte lese ich gerade mitten in meinem Französischheft. Oh. Ich sollte wohl mal besser aufpassen, was ich so gedankenverloren wo hin schreibe.

Ich vermisse jemanden, den es nicht gibt.

Ja, aber genau so sieht’s aus.

Was soll ich nur tun?

Was soll ich denn tun? Kann ich denn überhaupt etwas tun? Klar kann ich das, ich bin ein freier Mensch, lebe in einem freien Land, aber würde überhaupt irgendwas etwas an meiner Situation ändern können? Ich glaube nicht...

Aber er geht mir nicht aus dem Kopf. Was er macht geht mir nicht aus dem Kopf. Es ist nicht so, als würde ich ihn noch lieben oder so. . Er hat sich so doof benommen, ich bin recht stinkig auf ihn. Ich will ihn nicht mal so dringend wieder als guten Freund haben, er fehlt mir nicht. Ich vermisse ihn nicht. Weder ihn, noch seine Worte oder seine Anwesenheit. Doch ich kann immer noch nicht glauben, dass er mich einfach so allein lassen kann. Dass er das so einfach tut. Ich verstehe ihn einfach nicht mehr. Und das, obwohl ich so lange dachte, wir seien für einander bestimmt. War vielleicht etwas naiv, aber was soll ich tun? Ich bin einfach so enttäuscht von ihm, ich verstehe ihn so gar nicht mehr. Und mich auch nicht mehr. Schon wieder läuft mir eine Träne die Wange herunter und ich kann nicht einmal sagen, warum denn genau. Ich werde müde.

Weinen macht müde,

auch, wenn es nur wenige, kleine Tränen sind.

Dann fühlt man sich so schwer,

wie ein Stein.

Das schreibe ich auf mein Blatt. Mein Heft. Immer noch sitze ich davor. Nun ist schon wieder eine Stunde vergangen und ich habe kein einziges richtiges Wort zu Papier gebracht. Ich muss da was gegen tun, so kann es nicht weiter gehen. Ich habe schon lange nichts mehr für die Schule gemacht. Ich habe generell lange nichts mehr gemacht. Nicht mehr gelebt.

Ich sollte vielleicht bald wieder damit anfangen. Endlich wieder anfangen, zu leben.

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