Schreibblockade

 

Künster sind schwierig. Dabei fängt es ja schon damit an, wie man Künstler definiert. Wie man Kunst definiert. Macht ja jeder anders. Also definiert auch jeder Künstler anders, denn der ist ja nur derjenige, der die Kunst schafft.
Ob jemand meine Texte als Kunst bezeichnet? Ich weiß es nicht. Dennoch fühle ich mich arrogant und anmaßend, wenn ich mich selbst als Künstler bezeichne. Aber immerhin versuche ich ja Kunst zu schaffen. Bin also quasi eine Art Möchte-Gern-Künstler. Ich möchte gern ein Künstler sein. Einer, der Kunst schafft.
Jedenfalls, Künstler sind schwierig. Zumindest die, die ich so kenne. Aber bei vielen weiß ich gar nicht, ob sie aus den gleichen Gründen schwierig sind, wie ich. Also besser: ich bin schwierig – als Künstler. Denn ich versuche Kunst zu schaffen, versuche Sachen zu kreieren, die irgendwie wertvoll sind, die schön sind, die eine gewisse Ästhetik besitzen. Und dann lese ich sie vor, schicke sie rum, poste sie, zeige sie den Menschen. Und dann; dann hoffe ich, dass ihnen meine Sachen gefallen. Erwarte kein Lob, erhoffe mir nicht, dass Menschen mir dauerhaft sagen, wie sehr sie meinen Shit feiern. Aber wenn jemand mir etwas positive Resonanz zukommen lässt, dann freue ich mich. Ich freue mich wirklich über jeden einzelnen Menschen, der mein Zeugs mag. Und noch mehr freue ich mich, wenn jemand mir sagt, ich solle mal mehr machen, mal öfter etwas hochladen, meine Texte mehr teilen, mehr schreiben, mehr vorlesen, mehr tun. Ich freue mich, wenn es Menschen gibt, die tatsächlich nach mehr von meinen Sachen fragen. Ich freue mich dann wirklich, ein schöneres Lob bekomme ich selten.
Und dann haben wir das Problem bei der Sache: Druck. Ich möchte dann ja auch wirklich mal mehr machen, will mehr schreiben, mehr hochladen, mehr tun. Will meinen Dank damit zum Ausdruck bringen, dass ich der Bitte nach mehr nachkomme. Aber dann bekomme ich ein Problem. Ich gerate unter Druck und bekomme eine Schreibblockade. Und dann kommt schließlich noch weniger. Und dann gerate ich unter noch mehr Druck und weiß doch, dass das gar nicht Sinn des Lobs war, was man mir gab und schließlich fühle ich mich einfach nur noch schlecht. Und habe das Gefühl etwas leisten zu müssen und das in einer Sparte meines Lebens, was einfach nur Hobby und Leidenschaft sein soll: meine Kunst. Oder das, wovon ich hoffe, dass es von manchen vielleicht mal als Kunst angesehen wird.
Und dann, wenn ich dann so eine Schreibblockade habe, dann ist alles schwer. Erst warte ich, vielleicht geht’s ja von alleine weg. Ich denke mir Ausreden aus, warum es nicht fluppt. Zu viel Stress. Zu viel zu tun. Zu viel Streit. Schlecht geschlafen. Keine Zeit. Keine Ruhe. Aber das alles bringt nichts, es wird nicht besser. Auch nicht, wenn der Stress weg ist. Nicht, wenn der Streit gelöst ist. Nicht, wenn die Ruhe wieder da ist. Es wird einfach nicht besser. Und dann versuche ich mich zu etwas zu drängen, versuche etwas zu erschaffen, ein bisschen Kunst zu zaubern. Aber natürlich erfolglos, es kommt nur Müll dabei raus. Nur unzusammenhängende Gedanken. Deprimierende Scheiße. Nur Müll.
Und dann, irgendwann. Fange ich mit Müll an und es kommt Kunst dabei raus. Und dann ZACK – zerbrochen ist die Blockade. Und dann kann ich endlich wieder ein klitzekleines bisschen Künstler sein. Oder mich zumindest so fühlen. Wie ein kleiner glücklicher Künstler, der ein kleines glückliches Stück Kunst zaubert.